Wenn der Neubau zum Geduldsspiel wird
Dr. Timm Kern, Brüder Christoph und Philipp Bächle (Geschäftsführer), Florian Bauer (Bürgermeister St. Johann)
Im abgelaufenen Jahr 2025 feierte das Abbundzentrum St. Johann sein 10jähriges Bestehen. Seit 2015 bietet das Unternehmen passgenaue Lösungen rund um den Holzbau an. Welche Wünsche die Geschäftsführer Christoph und Philipp Bächle an die Politik haben und warum der Umzug in die eigene Produktionshalle vergangenes Jahr viele Nerven gekostet hat: Das waren Themen beim Besuch des FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern und St. Johanns Bürgermeister Florian Bauer vor Ort.
Zum 10jährigen Jubiläum hat es endlich geklappt: Das Abbundzentrum St. Johann konnte von gemieteten Räumlichkeiten in die eigene Produktionshalle umziehen. Mit 4,5 Millionen Euro gingen die Brüder Christoph und Philipp Bächle dabei ins Risiko. Start des Neubaus war bereits im Jahr 2019, doch bürokratische Vorschriften und baurechtliche Hürden verzögerten den Umzug. „Es gibt nicht die eine Person, bei der man sagen könnte, die hat gebremst – es ist eher das ganze bürokratische System, das so träge ist“, erzählte Christoph Bächle.
St. Johanns Bürgermeister Florian Bauer unterstützte das Bauprojekt von Anfang an. Auch er beobachtete, wie kleinteilige Regelungen der Entwicklung des Unternehmens Steine in den Weg legten: „Der Bebauungsplan war bis zu den Fenstern in der Fassade geregelt. Dieser Neubau ist ein schönes Beispiel dafür, wie wir uns baurechtlich selbst ausbremsen“. Philipp Bächle fasste seine Erfahrungen mit dem Neubau so zusammen: „Die Baubehörde ist doch da, um Bauen zu ermöglichen, nicht zu verhindern“.
Für den FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern, auch Kandidat seiner Partei im Wahlkreis Münsingen-Hechingen zur kommenden Landtagswahl, zeige sich am Beispiel des Abbundzentrums eine größere Entwicklung: „Immer mehr Unternehmen verlassen Baden-Württemberg und produzieren lieber woanders. Wenn inzwischen sogar Stihl überlegt, seine Produktion lieber in die Schweiz zu verlagern – trotz der dort höheren Personalkosten – muss das für uns doch ein Alarmsignal sein“.
Ein weiteres Thema war der Fachkräftemangel. Christoph Bächle betonte, dass das Handwerk praxisnahe Bildungsangebote brauche, um die Ausbildungsfähigkeit zu erhalten. Ein solches Angebot seien z.B. die Werkrealschulen, so Dr. Timm Kern: „Die Abschaffung der Werkrealschulen durch Grün-Schwarz muss nach der Landtagswahl wieder rückgängig gemacht werden“, so seine Forderung. Bürgermeister Florian Bauer erinnerte sich an den Bürgerentscheid zum Erhalt der Werkrealschule in St. Johann: „Die Diskussion damals wurde ja überhaupt nur nötig, weil die Werkrealschulen landespolitisch im Stich gelassen wurden. Dass wir bildungspolitisch gesehen die Werkrealschule als praxisnahe Schulart brauchen, steht für mich außerfrage.“
Mehr Flexibilität, weniger Vorschriften und eine stärkere Orientierung an der Praxis vor Ort: Das waren abschließend die zentralen Wünsche von Christoph und Philipp Bächle. Dr. Timm Kern versprach, sich in seiner Arbeit im Landtag dafür weiter einzusetzen.