• Vertreterinnen der Frauenhilfe Freudenstadt e.V. geben Einblick in die Arbeit im Landkreis Freudenstadt während Corona-Zeiten
  • Landtagsabgeordneter Dr. Timm Kern (FDP): „Familiäre Probleme werden oft in Kindergärten oder Schulen wahrgenommen. Dieser gesellschaftliche Seismograph ist in der Corona-Krisenzeit besonders wichtig.“
  • Langfristig arbeitet die Frauenhilfe an innovativem Konzept für ein nicht-anonymes Frauenhaus

Dem Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern (FDP) ist es gerade während der Corona-Krise ein wichtiges Anliegen, sich über die aktuelle Lage wichtiger sozialer Einrichtungen im Landkreis Freudenstadt zu informieren.

In einer Videokonferenz berichteten Martina Sillmann und Beraterin Maria Brighina von der Frauenhilfe Freudenstadt e.V. über die aktuelle Situation aus ihrer Sicht.

„Im Vergleich zum Vorjahr war bereits im Januar und Februar ein Anstieg der Fallzahlen erkennbar. Im März kam es zu einer deutlichen Erhöhung um 44 Prozent der Fallzahlen im Vergleich zu 2019 (49 statt 34 Fälle). Dabei handelt es sich vor allem um neue Kontakte“, sagte Martina Sillmann.

„In vielen dieser Fälle geht es um massiven psychischen Druck, den Frauen zu spüren bekommen. Aber auch unter Stalking über Handy-Apps leiden zunehmend mehr Frauen“, berichtete Maria Brighina, die als hauptamtliche Beraterin tätig ist. Gerade alleinerziehende Mütter sind häufig betroffen. Sie werden von ihren Ex-Partnern gestalkt und zudem stark bedroht. In manchen Fällen kommt es dazu, dass das Familiengericht sogar ein Annäherungsverbot aussprechen muss. Die aktuellen Kontaktbeschränkungen wirken sich dabei für betroffene Frauen und Familien schwerwiegend aus: „Oft ist bei unseren Klientinnen die Wohnung der Gefährdungsort. Wir hoffen auf eine baldige Lockerung, damit diese Personen verstärkt nach draußen können und beispielsweise im Bekanntenkreis Hilfe und Unterstützung erhalten“, so Maria Brighina.

Die Frauenhilfe Freudenstadt unterstützt jährlich zwischen 130 und 160 Frauen, Schwerpunkte sind dabei die Großen Kreisstädte Horb und Freudenstadt.

Der Abgeordnete Dr. Timm Kern schloss sich der Forderung nach weiteren Öffnungen an, bei denen er vor allem auch Bildungseinrichtungen im Blick hat: „Familien und gerade auch Alleinerziehende brauchen dringend Entlastung. Denn familiäre Probleme werden oftmals in Kindergärten oder Schulen wahrgenommen und von hier aus werden Hilfsangebote vermittelt. Dieser gesellschaftliche Seismograph ist bei in der aktuellen Corona-Krisenzeit besonders wichtig.“

Von Seiten des Landes wünscht sich die Frauenhilfe mehr verlässliche Unterstützung: „Es steht und fällt mit der verlässlichen Finanzierung unserer hauptamtlichen Fachberatungsstelle. Es braucht landesweit eine gesicherte Finanzierung der Fachberatungsstellen.“ Enttäuscht war die Einrichtung deshalb auch, dass der angekündigte Soforthilfefonds für Frauen- und Kinderschutzhäuser aus bestehenden und nicht zusätzlichen Mitteln generiert wird.

Auch die langfristige Arbeit der Frauenhilfe geht weiter. Martina Sillmann: „Wir arbeiten mit weiteren Sozialpartnern im Kreis an einem innovativen, offenen Konzept für ein nicht-anonymes Frauenhaus. Dieses könnte durch Bundesmittel gefördert werden. Hier sind auch Bestandteile einer Kinder- und Täterberatung integriert, da wir nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen lösen wollen.“

Sie fasste abschließend zusammen: „Wir wollen die Stimme derjenigen sein, die aufgrund von Gewalterfahrungen keine Stimme mehr haben.“