• Landtagsabgeordneter Dr. Timm Kern (FDP) im Austausch mit Kreishandwerksmeister Alexander Wälde im Haus des Handwerks der Kreishandwerkerschaft Freudenstadt
  • Das Handwerk beginnt sich nach der Pandemie langsam zu erholen, aber noch nicht alle Herausforderungen und Langzeitfolgen der Branche sind gemeistert, so Alexander Wälde
  • Timm Kern und Alexander Wälde sind sich einig: Die Attraktivität von Ausbildungsberufen muss gestärkt werden und eine gleiche Wertschätzung wie eine akademische Laufbahn erfahren

„Wir sind im Landkreis Freudenstadt 1661 Betriebe mit 948 Mitarbeitern und circa 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Damit zählen wir wahrscheinlich zu einem der größte Arbeitgeber im Landkreis“, erzählte Kreishandwerksmeister Alexander Wälde dem Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern (FDP) bei seinem Besuch im Haus des Handwerks in Freudenstadt. 18 Innungen betreue die Kreishandwerkerschaft Freudenstadt im Landkreis, also Anliegen vom Bäckermeister bis zum Kachelofenspezialisten, so Wälde, der selbst Friseurmeister ist und ein eigenes Geschäft in Freudenstadt betreibt.

Von der Pandemie haben sich die meisten Betriebe weitestgehend erholt, berichtete Wälde auf Nachfrage des Landtagsabgeordneten. Gerade in der Baubranche seien die Auftragsbücher zwar voll, allerdings seien noch nicht alle Herausforderungen der Pandemie abschließend gemeistert: Verschobene Termine könne man nicht alle auf einmal nachholen, der Gewinn für die Monate im Lockdown bliebe logischerweise trotzdem aus. Man sei verstimmt über die Rückzahlungspflicht einiger Corona-Hilfen, den Bürokratieaufwand darum herum und die praxisferne Vorgehensweise bei der Verteilung der Mittel. Auf die zwischenzeitlich explodierten Holzpreise folgten nun Lieferengpässe und Nachschubprobleme bei diversen Rohstoffen durch den Ukrainekrieg, von den Spritpreisen ganz abgesehen. Dennoch blickt Alexander Wälde optimistisch in die Zukunft und beobachtet eine langsame, wenn auch stetige Regeneration des Handwerks von den Krisen der letzten zwei Jahre.

Haus des Handwerks der Kreishandwerkerschaft Freudenstadt

Auch das Thema Fachkräftemangel sei hier im ländlich geprägten Landkreis Freudenstadt eine riesige Herausforderung, berichtete Wälde weiter. Hierfür müsste man vor allem auf eine Ausbildung vor Ort setzen, waren sich Kern und Wälde einig. „Die regionale Schulentwicklung muss im ländlichen Raum dringend überdacht und angepasst werden. Das kann beispielsweise durch eine Senkung der Klassenmindestgröße geschehen. Ist eine Klasse mal weg, wie die Metzgerklasse in Horb oder die Bäckerklasse in Freudenstadt, kehrt sie nicht zurück und das ist für die Ausbildungssituation im ländlichen Raum verheerend“, zeigte Bildungspolitiker Timm Kern auf.

Laut der Handwerkskammer Reutlingen ist die Anzahl der Ausbildungsverträge, die bis Ende 2021 geschlossen wurden, zwar insgesamt gesunken, im Landkreis Freudenstadt sind aber dennoch 563 Auszubildende unter Vertrag genommen worden, was ein Plus von 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist.(1) „Wir motivieren Schülerinnen und Schüler aller Schularten sich unsere Ausbildungsbetriebe anzuschauen und sich zu informieren. Ein Schnupperpraktikum ist in den meisten Branchen unkompliziert und schnell möglich – einfach mal reinschauen, nur so bekommt man ein Gespür dafür, ob man menschlich und inhaltlich zusammenpasst“, warb Alexander Wälde für Ausbildungsberufe im Handwerk. Der bildungspolitische Sprecher der FDP/DVP-Fraktion im Landtag Timm Kern und Alexander Wälde waren sich einig, dass Ausbildungsberufe allgemein an Ansehen gewinnen müssen. „Diese Art der Ausbildung, wie wir sie in Deutschland haben, ist einzigartig und eine optimale Verbindung aus Theorie und Praxis“, fasste Timm Kern den Besuch zusammen, „das Handwerk hat ein noch besseres Berufsimage verdient – Meister und Master müssen von Politik und Gesellschaft gleichermaßen Wertschätzung erfahren!“

(1) https://www.hwk-reutlingen.de/newsansicht-detail/article/zahl-der-ausbildungsvertraege-2021-ruecklaeufig.html
(zuletzt abgerufen 23.3.2022)