Harald Schmidt spricht in Metzingen über Kirche, Politiker und die Landtagswahl
Harald Schmidt zu Gast bei Dr. Timm Kern im Kern-Gespräch (Metzingen, 11.02.2026)
An seinem Namen kommt man kaum vorbei, wenn man über das Fernsehen der letzten Jahrzehnte spricht: Harald Schmidt. Ob Schmidteinander, die Harald-Schmidt-Show oder aktuell das ZDF-Traumschiff: Der in Neu-Ulm geborene und in Nürtingen aufgewachsene Late-Night-Pionier zeigt gerne seine Vielseitigkeit.
So war es auch an diesem Abend im Hotel-Restaurant Schwanen in Metzingen. Harald Schmidt war der Einladung des FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern gefolgt, in dessen Format „Kern-Gespräch“ zu Gast zu sein. Angesichts des prominenten Gastes fand dieses Format in seiner insgesamt 28. Ausgabe erstmals vor Live-Publikum statt. Und die mehr als 100 Gäste erlebten einen Harald Schmidt in Höchstform.
Entstanden war die Idee zum Gespräch an einer Hotelbar in Stuttgart: Dort trafen sich Dr. Timm Kern und Harald Schmidt zufällig – der eine nach einem Plenartag, der andere nach einem Theaterauftritt. Und sie entdeckten auch gleich einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die Verbindung zum christlichen Glauben und der katholischen Kirche. „Wir gehören zu denen, die keine negativen Erfahrungen mit der Kirche gemacht haben – was es auch gab“, spielte Schmidt, der in seiner Jugend Organist war – wenn auch nach eigenem Bekunden kein besonders guter-, gleich zu Beginn des Gesprächs auf diese Gemeinsamkeit an.
Die Veranstaltung in Metzingen war für den im benachbarten Nürtingen aufgewachsenen Schmidt ohnehin ein Heimspiel. So interessierte sich Dr. Timm Kern, der zur Landtagswahl für die FDP im Wahlkreis Hechingen-Münsingen antritt, natürlich auch für die Meinung seines inzwischen in Köln lebenden Gesprächspartners zur anstehenden Wahl. In gewohnter Scharfzüngigkeit analysierte Harald Schmidt die im Straßenbild allgegenwärtigen Wahlplakate: „Ist denn Cem Özdemir noch bei den Grünen? Auf den Plakaten steht es nicht mehr. Da steht nur noch: Der kann es. Das hat ein bisschen etwas von integrativem Kindergarten: ´Nicht gleich helfen, lass mal, der kann es.´“
Doch worauf würde der FDP-Kandidat eigentlich seinen Fokus legen, wenn die FDP an die Regierung käme, wollte Harald Schmidt wissen. Dr. Timm Kern nannte sofort die Bildungspolitik: „Es gibt mindestens drei Parteien, die möchten nur noch zwei Schularten: Das Gymnasium auf der einen Seite und eine Gemeinschafts- oder Sekundarschule auf der anderen. Ich fände das eine dramatische Verarmung der Bildungsvielfalt. Wir setzen uns sehr stark für den Erhalt der Realschule und die Wiedereinführung des Werkrealschulabschlusses ein. Wir wollen nicht die ´eine-Schule-für-alle´, sondern die passende Schule für jedes Kind.“ Am liebsten wolle er seine Ziele dabei mit der CDU umsetzen, erklärte der Liberale weiter: „Wir wollen als FDP eine bürgerliche Regierung, mit der CDU gemeinsam“. Auch eine Deutschland-Koalition mit CDU und SPD sei denkbar.
Auch spielerische Elemente waren innerhalb des Gesprächs eingeplant. Beim Politiker-erraten machte Schmidt eine gute Figur und erkannte frühere und heutige Politiker an den gegebenen Hinweisen meist schnell. Doch wie eigentlich vorgesehen die erratenen Politiker im Stile eines TikTok-Trends anschließend in einer so genannten „Tier-List“ zu ranken, lehnte Schmidt ab. Denn: „Mein Respekt vor allen, die sich im Dienste der Demokratie jeden Tag verausgaben, ist viel zu groß dafür“. Selbst in die Politik wolle er nämlich auf keinen Fall, verrät der Entertainer an einer anderen Stelle des Gesprächs. Seine Begründung: „Mich stören die Wähler“.
Der Abend endete mit Standing-Ovations, einem Fotomarathon für Harald Schmidt und mit einem Publikum, das feststellen durfte: Schmidt – der kann es.
Das Kern-Gespräch ist ein Format des Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern (FDP). Darin führt er Interviews mit Persönlichkeiten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Frühere Ausgaben des Kern-Gesprächs sind auf der YouTube-Seite des Abgeordneten oder hier abrufbar.